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   [2007/08 HMT Leipzig JOURNAL] EuroArts – Musikakademie und –festival

Über Erstaunliches,
Bemerkenswertes,
Erhiterndes


EuroArts – Musikakademie und –festival das dritte Mal
Zu Gast an der Leipziger Hochschule


Der kleine, unscheinbare Kassenraum in der Eingangshalle der Hochschule, übers Jahr scheinbar schnöde links liegen gelassen, feierte auch in diesem Sommer erneut seine Groβe Stunde. Quasi über Nacht wurde er zum offiziellen EUROARTS-Büro umfunktioniert und damit zum Dreh- und Angelpunkt einer vierwöchigen internationalen Sommermusikakademie mit parallel dazu stattfindendem Musikfestival.

Mit einem Schlag erwachte die Hochschule aus ihrem Sommerloch-Dämmerschlaf und wurde zur Tummelwiese für etwa 270 internationale Studenten und Studentlein o die jüngsten waren wohl keine zwölf Jahre alt. Mehr als 40 Professoren aus Leipzig und aus aller Welt fanden sich in der Grassistraβe ein, um ihre Kunstfertigkeiten in den Fächern Klavier, Violine, Violoncello, Viola, Gesang, Flöte und Tuba weiterzureichen. Erstmals in diesem Jahr wurden zudem auch Kammermusikkurse(unter der Leitung von Prof. Gerald Fauth/HMT Leipzig) gegeben, die so manche Crux der Internationalität auf musikalischem Wege zu überbrücken halfen. Eines hatte es in diesem Zusammenhang im Kammermusiksaal der Hochschule bis dato im Übringen noch nie gegeben: ein Ensemble-spiel von zehn Cellisten.

Nach dem alltäglichen arbeitsreichen Akademieleben konnte man schlieβlich allabendlich die Früchte dieser Arbeit ernten und genieβen. Regelmäβig fanden in der Hochschule öffentliche Klassenkonzerte statt. Die Festivalkonzerte sowohl mit den Professoren als auch mit – international bereits mehrfach ausgezeichneten – Studierenden der Akademie wurden in Leipzigs(musik-) geschichtsträchtigsten Konzertsälen veranstaltet: im Gewandhaus, Mendelssohn-Haus, Schumann-Haus, der Alten Handelsbörse und natürlich – im Groβen Saal der Hochschule. Während dieses vier Wochen dauernden Konzertmarathons ereignete sich(und das durchaus nicht nur musikalisch) so einiges Erstaunliches, Unerhörtes, Bemerkenswertes, Erheiterndes und auch Lehrreiches – unmöglich, hier alles zu erfassen.

Lächelnd erinnere man sich aber, wie die beiden Zwillingsbrüder und Pianisten Vincenzo und Francesco de Stefano(21) – auf Grund eines Streiks bei ALITALIA irgendwo auf der Strecke geblieben – am Konzertabend erst in letzter Minute auf die Bühne einfliegen konnten, um sogleich Don Juan überaus fulminant und expressive die Lisztschen Reminiszensen zu erweisen. Auch der junge Cellist Joris van den Berg musste sich mit einigen Unvorhersehbarkeiten arrangieren. Der altehrwürdige Schumannsche Salon in der Inselstraβe hat nicht nur die wunderbaren alten und knarrenden Dielen überdie Zeiten halten können, sondern hält auch ungemein viel Hitze, zumal bei ausverkauftem Hause. Bei Brittens Violoncellosonate op.65, durch van den Berg hochvirtuos interpretiert im hervorragenden Zusammenspiel mit Eva Sperl am Klavier, ist jedenfalls den Hörern das Schwitzen regelrecht vergangen und einem einzigen Staunen gewichen. Unvergessen bleibt auch der 14-jährige Hahnsol Kim, der nimmermüde von früh bis abends übte und mit seiner Geige zusammengewachsen schien. Dieser Symbiose erwuchs endlich auf der Bühne so manch spielerisch-brilliante Phantasie-Blüte, wie etwa bei Carmen aus der Feder Sarasates.

Bei einer überragenden Teilnahme junger Pianisten bei solch einem Akademie- und Festivalbetrieb stellt sich sehr schnell heraus, welches die beliebtesten Vorführmeister und –stücke in der solistischen Klavierpraxis sind, allen voran Chopin, Debussy und Liszt. Für so manch treuen Zuhörer ist dies unter Umständen etwas ermüdend. Die Pianistin Claire Huangci(17), Akademiestudentin bei Prof. Karl-Heinz Kämmerling(Mozarteum/Salzburg), reüssierte deshalb beim hingerissenen Publikum mit glänzend gespielten Effektstückchen wie der Schulz-Evler Arabeske auf die Strauβsche Blaue Donau oder Volodos’ Bearbeitung des Türkischen Marsches von Mozart.

Ein Effekt ganz anderer Art – ein wahres Feuerwerk nämlich – stellte sich jedoch ein, als zum x-ten Mal das gleichnamige Prélude von Debussy aus den Händen Olivier Gardons (Conservatoire Supérieur de Musique/Paris) sprudelte. Da endlich hatte man es verstanden, was es heiβt, Debussy zu spielen. Da war die Musik angekommen, beim Zuhörer wie beim Interpreten. Dieser Eindruck wiederholte sich beispielsweise auch bei der – allerdings eher selten aufgeführten – Suite g-Moll von Moszkowski. Keiko und Asako Urushihara(Violine) sowie Katsurako Mikami(Klavier), Dozenten der Musikhochschule Tokio, überzeugten durch ein wundervoll stimmiges Zusammenspiel mit groβ und elegant geführtem musikalischen Bogen.

Nicht nur in der Erinnerung besonders nachhaltig blieb der Abend mit dem groβartigen und within geschätzen Hornisten Hermann Baumann in der Alten Handelsbörse. Baumanns “verhornter” Schwan aus Saint-Saëns Karneval der Tiere(umrahmt u.a. von Mozart, Skrjabin und Strauss) und in souveränder Begleitung von Alexander Meinel am Klavier hatte glücklicherweise gar keine Mühe, dem sommerlichen Open-air-Getöse auf dem Augustusplatz zu trotzen.
Bemerkenswert sind schlieβlich auch einige Neutöner, die ihren Platz im Festvialprogramm fanden: Urusula Mamlok(gespielt von Lynn Blakeslee, Eastman School of Music Rochester/USA) und Richard Wilson(gespielt von Joseph Genualdi, School of Arts/North Carolina, USA). Bei aller Liebe für die alten Meister ist es enorm auf- und anregend, Kontakt zur neuen und neuesten Musik zu finden, erst recht durch die persönliche und musikalische Vermittlung solch wundervoller Musiker.



So waren denn diese vier Wochen an der Leipziger HMT für alle Beteiligten Bereicherung und Vergnügen zugleich, denn Akademiebetrieb heiβt durchaus nicht nur hart zu arbeiten, sondern auch gebührlich zu feiern. Und so gibt es wohl niemanden, der im nächsten Jahr nicht gern wieder dabei wäre. Der Freundeskreis der HMT Leipzig stellt den Leipziger Studierenden übringens ein Stipendium zur Teilnahme an den Meisterkursten zur Verfügung.

Den Mitarbeitern aus dem kleinen EUROARTS-Büro, das mittlerweile längst wieder zum nüchternen Kassenraum geworden, sind in der Zwischenzeit etliche neue und zündende Ideen und Pläne entwachsen, die alle in der Akademie- und Festivalsaison 2008 auf ihre Umsetzung warten. Geplant ist u.a., dem Ensemblespiel einen noch gröβeren Spielraum zu geben. Angedacht sind Konzerte in gröβerer Besetzung mit Professoren und Studierenden an weiteren und auch unkonventionelleren Spielstätten. Auch die Einbindung des Leipziger und auswärtigen Konzertpublikums soll starker ins Visier genommen warden. Die Hochschule als Partner und Gastgeber von EUROARTS wird zukünftig besonders in der in Leipzig ansonsten musikarmen Sommerzeit ein fester und namhafter Anlaufspunkt für alle Freunde der Musikstadt und für die Liebhaber herausragender musikalischer Ereignisse sein.

Für die wunderbare Zusammenarbeit sei der Hochschule an dieser Stelle ein groβes Dankeschön ausgesprochen. Wir danken für die Unterstützung seitens des Rektors und des Kanzlers, bedanken uns herzlich bei den Damen und Herren des KBB, allen Leipziger Dozenten, deren Zimmer wir nutzen durften, und schlieβlich und vor allem bei den stets hilfsbereiten und verständnisvollen Kollegen an der Pforte, im Hausmeisterzimmer, in der Systemadministratur sowie im Tonstudio.


Anna-Barbara Schmidt,
EuroArts-Assistentin



   2010 EMF in Klosterneuburg, Austria(German)

   2008 Euro Music Festival Leipzig (German)


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